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  • Von Meiern, Kötnern und Brinksitzern

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Eine wesentliche Rechtsfolge haben die drei Höfeklassen für die Ableistung der Frondienste an ihre "Gutsherren". Bis zur Bauernbefreiung hat der Hofbesitzer sein Anwesen ja in einer Art Erbpacht besessen. Als Gegenleistung wird von dem Pächter erwartet, dass er regelmäßig seine Abgaben liefert und außerdem den "Dienst" verrichtet.

So lesen wir etwa 1750 über die Höfe der benachbarten Vogtei Basse folgendes: "Ein jeder Meiermann ist schuldig, wöchentlich mit dem Spann zu 4 Pferden einen Tag... zu dienen". Die Kötner aber leisten 2 Tage, die Brinksitzer 1 Tag Handdienst. Gleichzeitig ist hier die Rede von Halbmeiern und Voll- bzw. Halbkötnern. Das bedeutet, dass der Halbmeier nur mit 2 Pferden, der Halbkötner nur einen tag zu arbeiten hat, aber der Brinksitzer jede 2. Woche roboten muss.

Nur ein paar Listen verzeichnen die Klasse der Unterprivilegierten, die Häuslinge. Sie sitzen als Einhocker (Inhuckers) auf den Höfen, arbeiten mit oder gehen als Hirten und Handwerker. Da sie weder Haus noch Land besitzen, auch keine Dienste leisten, sind ihre Rechte eingeschränkt. Die Behörde vertritt sie, wenn nötig: Deshalb geben sie an das Amt ein Häuslingsschutzgeld - gewöhnlich 1 Taler im Jahr.

Die Höfeklassen sind weitgehend aus der Einteilung des mittelalterlichen Ständestaates verständlich. Hieraus ergibt sich, dass der Aufstieg von einer Gruppe zur anderen nur ausnahmsweise möglich scheint. Wenn aber z.B. der Inhaber eines Vollmeierhofes schwer verschuldet ist oder durch Seuchen sein gesamtes Vieh verliert steigt der Meier dadurch zum Kötner oder Brinksitzer ab.

Ein Meier ist eben der Größere, während die anderen geringschätzig als Kleine oder "Lüttje Lüe" bezeichnet werden. Der Meier nimmt daher auch seine Frau aus einem anderen Meierhof und heiratet in seinem Stand. Gibt es im eigenen Dorf keine passende Partie, so findet sich eben im Nachbarort die richtige Ehefrau. Die standesgemäße Aussteuer gehört sowieso dazu.

Für das alte Dorf hat diese starre Ordnung ihre Vorteile. Auf der Strecke bleiben neben Besitzlosen die zweiten oder dritten Söhne, weil die extensive Bewirtschaftung nicht zulässt, dass neue Höfe entstehen. Mit deren Kühen, Schafen und Schweinen würde ja die begrenzte Weide im wahrsten Sinne des Wortes übertrieben. Erst durch die vor 150 Jahren begonnene Aufteilung von Heide und Weide gewöhnlich unter dem Namen Verkoppelung erwähnt, wird für die benachteiligten eine neue Möglichkeit geschaffen.

Die Vermessung, Zusammenlegung und Urbarmachung verschlingt viel Geld. Daher sieht sich manch ein Besitzer gezwungen, ein Stück Land zu verkaufen. Nun können die Häuslinge auch einen Acker erwerben und ein Häuschen bauen. Zumeist am Rande des Dorfes oder gar mitten in der Feldmark. Auf diese Weise entsteht die Gruppe der Bevölkerung, die zumeist unter dem Namen von An- oder Abbauern erscheint. Im Rahmen der Bauernbefreiung erhalten Meier, Kötner und Brinksitzer Hof und Länderei gegen Zahlung einer Abstandssumme als Eigentum, und auch die Frondienste werden beseitigt. Dann teilt man die bisherigen Allmenden unter sich auf. In den meisten Dörfern gehen An- und Abbauern dabei leer aus, ebenso die Häuslinge. Aber für viele ergibt sich neue Hoffnung, Land und Eigentum jenseits des Ozeans irgendwo in den Weiten des amerikanischen Mittelwestens zu erwerben. Die Woge der Auswanderung beginnt.

 

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