Abloesung d. Zehnten

  • 700 Jahre von Elsenhusen bis Elze

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  • Die Ablösung des „Zehnten” -Bauernbefreiung-

von Werner Reichenbach

Der „Zehnte“ war von Kaiser Karl dem Großen zu Gunsten der Kirche eingeführt worden, um die damals umfangreichen Christianisierungen finanzieren zu können. Durch die Reformation gelangte er aber zum Teil in die Hand der damaligen Landesherren, die diese Einnahmequelle an ihren Adel weitergaben, hier in Elze an den Günstling des Herzogs, Stechinelli. Die folgende Aufzählung soll eine Auswahl verdeutlichen, welche Abgaben an wen zu leisten waren. Hier in Elze war zu zahlen oder zu liefern:

1. an das Gut: den „Viehzehnten” für Bienenhaltung, Pferdezucht, Schafhaltung, Rindviehhaltung, Gänsetrift, Schweinehaltung und für jeden Hahn;

2. an die Domänen-Kammer (Landesherrschaft): Gartenzins, Rottlandzins, Wiesenzins, Hofviehgeld, Hofrauhhafer, Amtstorffuhren, Abgabe für den Gefangenenwachdienst, Spanndienst für Forstkultur, den Müggendorfer Moordienst und den Wietzebruch-Holzungsdienst, sowie Handdienste;

3. Gemeindelasten in bar: Unterhaltung der Wege und Brücken, Gehalt für Vorsteher und Beigeordnete, Nachtwächterlohn, Zahlung in die Armenkasse und Unterhaltung der Gemeinde- oder Armenhäuser;

4. Kirchenabgaben: an den Pfarrer und Küster jährlich einen Himten Roggen in Natura, welche das eine Jahr der Pastor und das andere Jahr der Küster erhält, an den Pastor das „Schinkengeld”, an denselben 1 Brot in Natura von 12 Pfund, die beiden letzten Abgaben auch an den Küster und auch für die Kapelle, an dieselbe außerdem 1/2 Pfund Butter und für die Unterhaltung der Kirche und übrigen geistlichen Gebäude in Brelingen Bargeld;

5. Schullasten: das Schulgeld betrug für ein schulfähiges Kind jährlich einen Thaler, außerdem Barleistungen als Gehaltszulage für den Lehrer und zur Unterhaltung der Schule und Kapelle.

6. Sonstige öffentliche Lasten: Gemeinde-forststeuer, Gemeinheitssteuer (Gemeinheiten = gemeinschaftlich genutztes geringwertiges Wiesenland)

 

Da viele dieser Steuern vom Rohertrag abhingen, „bestrafte” man in erster Linie die gut wirtschaftenden Bauern. Deshalb wurde der Ruf nach einer Agrarreform immer lauter. 1836 wurde der „Fruchtzehnte” durch einen „Ablösereceß” mit dem zehntberechtigten Stechinelli – Nachfolgern in „Geldrenten” umgewandelt. In diesem Vertrag wurde nun mit jedem Bauern einzeln ein Betrag festgelegt, den er zunächst 10 Jahre an Stelle der zu liefernden Naturalien zu zahlen hatte. Stroh musste noch 12 Jahre geliefert werden und wurde wertmäßig von der Geldrente abgezogen, es sei denn: „der Bauer löst die Geldrente durch Zahlung eines Capitals von 25x der jährlichen Zahlung, vorzeitig ab, dann entfällt auch die Pflicht zur weiteren Strohlieferung.” Das Kapital wurde an den Kammerherrn Graf von Wieckenberg in Kilb bei St. Pölten in Österreich gezahlt. Für den Hof von Ernst Christian Beckmann waren das 1.138 Thaler, das sind nach heutiger Kaufkraft etwa 134.000,- DM. 1870 waren an den damaligen Gutsbesitzer Stein 50 Thaler für die Ablösung des Viehzehnten fällig, 1872 noch einmal 145 Thaler an die Landesherrschaft. Die „Ablösung” an die Kirche ist hierbei nicht berücksichtigt. *7

 

 
  • „Generaltheilung und Entfrettung”

von Werner Reichenbach

Hier wurden die Gemarkungsgrenzen einer Ortschaft neu festgelegt. Es ging dabei hauptsächlich um die Entflechtung der von mehreren Ortschaften benutzten Wiesen oder Hutungen, das sind gemeinschaftlich genutzte, im allgemeinen geringwertige Flächen, auf denen Schafe, Kühe und Rinder von einem Hirten für die Allgemeinheit gehütet wurden. Hier im Dorf war das der „Receß vom 7. März 1839 über die Generaltheilung der Elzer - Meitzer Gemeinheiten, genannt das Vorbruch, hinter dem Meitzer Felde, der Spisseberg.” *7

 

 
  • „Specialtheilung der Gemeinheiten und Verkoppelung der Dorfschaft Elze“

Nachdem die Generalteilung abgeschlossen war, folgte 1847 der Antrag auf Specialtheilung der Gemeinheiten und Verkoppelung der Dorfschaft Elze. Die Gemarkungsgrenzen waren in der Generalteilung neu festgesetzt und anerkannt. Nun wurden Grenzen und Wege innerhalb der Gemarkung Elze neu festgelegt oder begradigt und die „Gemeinheiten” auf die Bauern verteilt.

Bewertung der Bodenqualität:

Die Grundlage der Berechnung war die „Kuhweide”. Je nach Bewertung des Bodens wurden die eingebrachten Flächen nach einem festgelegten Schlüssel in Kuhweide umgerechnet. Bei der späteren Verteilung der Flächen wurde dann derselbe Schlüssel angewendet. Der Boden wurde eingestuft in Gartenland als beste Qualität, dann folgten Ackerland, Wiesenboden, Angerboden, Melirter Boden, Heidboden, Bültemoorboden und unbrauchbarer Boden.

Fischerei Rechte:

Alle Wiesenbesitzer, die Wietzewiesen haben, fordern die Fischerei-Berechtigung. Die Erlaubnis erteilen sich die betroffenen Bauern gegenseitig.

Entschädigungen: (Auszug)

Hans Heinrich Bütehorn (Bösenberg) und Johann Cord Eickmann (Sprockhoffs) erhalten eine Vergütung für den „Melkerstieg”. (Das ist ein Pfad vom „Bremer Weg” Richtung Forst Rundshorn und weiter zum Bruch. Dieser Weg wurde vor allem von Berkhofern gern genutzt, wenn sie zum Melken fuhren, weil er eine Abkürzung bedeutete.)

Der Halbmeier Ludwig von Tiepermann (Kreugers) erhält 7QR für eine Bienenstelle.

Dem Abbauer Wilhelm Niemeyer (Wageners) wird ein Morgen Heidboden geschenkt unter der Bedingung, daß dieser mit dem Haus unzertrennlich bleiben soll.

Die Schulstelle Elze erhält zur Verbesserung 1 Morgen und 22 QR Wiesenboden.

Grenzvereinbarungen: (Auszug)

Zwischen den Haushöfen Wilhelm und Heinrich Giesemann (Wiepen und Rusts) wird eine gerade Grenze hergestellt.

Zwischen Heinrich Belsmeyer (Getalbs) und Ludwig von Tiepermanns (Kreugers) sogenannten „Alten Hof” ist gleichfalls eine Begradigung der Grenze an Ort und Stelle vereinbart worden.

Zwischen dem Gut mit den Anliegern des Gutskampes von Tiepermann, Belsmeyer, Peters Erben (Jürgens oder Jürns), Löhrding (Gehrkens), Ehlers (Imkers) und Müller (Schmees) ist ebenfalls eine Begradigung der Grenze vereinbart worden. Das ist die Fläche vom neuen Feuerwehrhaus bis an den Weg „Zum Alten Hof“

Im weiteren Verlauf werden Wegebau und Straßen sowie Gräben behandelt, so z.B. die drei Gräben im Vorbruch, die als „Erster, Zweiter, und Dritter Graben“ den Landwirten bekannt sind. Weil Wasser wegen der Begradigung der Wietze kaum noch austritt, sind diese Gräben heute bedeutungslos und schon fast zugewachsen.

Gemeinschaftliche Räume:

Das sind einmal gemeinschaftliche Sandgruben zur Sandentnahme für den Wegebau, weiterhin Feuerlöschteiche (Notkuhlen) sowie der Barackenbauplatz für die Hirten und Armen hinter von Tiepermanns (Kreugers) und Johann Heinrich Fesches (Voltmers) Hofe (auf dem Grundstück von Gerhard Lenthe).

Für den Hof Balke (Sniers) wurde ein Platz zum Aussiedeln hinter Goltermanns (Sneers) bereitgestellt, weil man seine Lage im Dorf wegen der engen Bebauung als feuergefährdet ansah.

Viehtrieb:

Hier wird festgelegt, welche „Conventionalstrafen“ bei Nichtbeachtung fällig werden. Jeder in der Dorflage ist verpflichtet, seine Zäune so Instandzuhalten, dass kein Vieh in das Gartenland eindringen kann. Der entstandene Schaden wird nicht ersetzt, wenn der Zaun nicht in Ordnung war.

 

  • Erfüllung und Dauer dieses Recesses

„Da der Zweck des gegenwärtigen Recesses lediglich auf die Sicherstellung der gegenseitigen Gerechtsame und Verpflichtungen gerichtet ist, so haben sich die sämtlichen Interessenten der genauesten Erfüllung desselben zu allen Zeiten unbedingt zu unterziehen, und soll alles, was demselben zuwider vorgenommen oder gehandelt werden möchte, stets für null und nichtig gehalten werden, auch die Einrede der Verjährung niemals dagegen zulässig sein. Es entsagt demnach ein jeder der Interessenten allen gegen diesen Receß zu machenden Einreden, sie mögen genannt werden, wie sie wollen, insbesondere auch Einwände, dass ein allgemeiner Verzicht nicht gültig sei, wenn nicht einer jeden Einrede speciell entsagt worden“

 

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