Grundbesitz

  • 700 Jahre von Elsenhusen bis Elze

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Bis ca. 800 n. Chr. gehörte unser Gebiet den Cheruskern, einem germanischen Stamm. Es gab große Höfe, die von einer Sippe als Grundeigentümer bewirtschaftet wurden. Wurde die Sippe zu groß, teilte man einen Hof. Als die Sachsen unter Kaiser Karl dem Großen die Germanen unterwarfen, wurden die Bauern enteignet und das Land den Herzögen gegeben. So wurden die ehemals freien Bauern zu “Leibeigenen”. Der riesige Grundbesitz der Herzöge wurde von Bauern bewirtschaftet, und zwar in der ersten Hälfte des Mittelalters weitgehend durch die sog. Fronhofswirtschaft. Die Edelinge (Großbauern) ließen einen Teil des Landes durch Knechte und Mägde bearbeiten, der Rest war an hörige Kleinbauern (Laten) ausgetan, die gegen Abgaben und Dienste eine “Lathufe” bewirtschaften durften. Eine bestimmte Anzahl solcher Lathufen, etwa 3 bis 40 Stück, waren organisatorisch zusammengefasst und unterstanden einem ,,Villicus” oder ,,Maior” (Meier = der Älteste). Er selbst bewirtschaftete einen ,,Haupthof”, auch ,,Salhof” genannt, mit dem dazugehörigen ,,Salland” durch ,,Hofknechte" und die Dienste der Laten. Einen solchen Bezirk, der einen ,,Haupthof” und Laten aus mehreren Dörfern umfasste, nannte man eine ,,Villikation”. Der ,,Meier” (Villicus) sammelte die Abgaben der hörigen Bauern ein und führte sie an den Grundherrn ab. Er übte im Auftrage des Herzogs eine Reihe von Herrschaftsrechten aus. So hielt er u.a. das ,,Hofgericht” oder ,,Meierding” über die Knechte und Laten seiner Villikation ab. Reste eines solchen ,,Meierdings” haben sich in Bissendorf bis ins 19.Jahrhundert erhalten. Im übrigen konnten die Latbauern eines Dorfes verschiedenen Villikationen angehören.

Der Meier selbst war meistens ein Friling (Freier) oder ein Late. Solche vom Herzog Freigegebenen, aber auch Laten, erhielten, wenn sie von ihm mit einem Amt betraut wurden, einen höheren sozialen Rang als ihrem Geburtsstande entsprach. Sie werden in den Urkunden ,,dener”, in der Literatur ,,Ministeriale” genannt. Gleich den Altfreien waren sie verpflichtet, ihrem Herrn als berittene Krieger zu dienen. Aus diesen Ministerialen und den Altfreien, also aus zwei ganz verschiedenen Wurzeln, ging im Laufe der Zeit der heutige niedersächsische Adel hervor.

Das Amt eines Villikus galt auch als ein solches Dienstlehen, und so manches niedersächsische Adelsgeschlecht lässt sich auf einen ,,Meier” zurückführen. Wenn ein Lehnsmann mit mehreren Haupthöfen belehnt war, was oft vorkam, so ließ er sie, wie hier in Elze das Stechinellische Gut, durch einen Verwalter bewirtschaften. Als sich seit dem 11.Jahrhundert die Erblichkeit der Lehen immer mehr durchsetzte und auch die niederen Lehen erblich wurden, gerieten die Grundherren in die Gefahr, die Verfügungsgewalt über ihre Villikationen zu verlieren. Deshalb lösten sie sie auf. Der Meier wurde mit dem Haupthof ,,Meierhof” abgefunden, die Laten gegen Hergabe ihrer Lathufe freigegeben. Der Preis für die Freiheit war die Herausgabe ihrer Existenzgrundlage. Mehrere Hufen (Höfe) wurden nun zusammengefasst und “verpachtet”. Deren Bewirtschafter nannte man jetzt auch Meier. Aufgeteiltes “Herrenland” wurde meist als “Bauernlehn” ausgetan. Auch unsere Elzer Höfe waren Bauernlehne.*3

 

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