Rirmelreimel1

  • 700 Jahre von Elsenhusen bis Elze

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Diese in Reime gebrachten Verse sind um 1880 von Elzer Bauersfrauen in den Spinnstuben entstanden. Wenn wir ein wenig zwischen den Zeilen lesen, können wir sogar erkennen, welche Frauen daran beteiligt waren, die eigenen Familien werden doch wohl nur wohlwollend bereimt worden sein. 

Dieser Text wurde von Hilde Mühlberg, geb. Hemme (Kreugers) 1984 von der Originalschrift (Sütterlin) in lateinische Schrift übertragen und in der "Glocke" dem Elzer Kirchenblatt veröffentlicht. 

Die hier veröffentlichte Fassung ist von Karl-Heinz Hebecker plattdeutsch niedergeschrieben. Da es keine einheitliche plattdeutsche Schreibweise und Grammatik gibt, ist dies seine eigene Art, die alten Verse wiederzugeben.

Plattdeutsche Originalfassung

Alte Haus-

num-

mer

heutiger

Name und (Hofname)

Hochdeutsche Übersetzung (das Gereimte lässt sich leider nicht übertragen)
Düt is´n Rirmelreimel von den Derpe Elze, mal lustig und mal kratzig, inne Spinnstuben is däé maokt - sau rund um achtanhundertachtzig     Dies ist ein "Rirmelreimel" von dem Dorf Elze, mal lustig und mal kratzig, in den Spinnstuben ist er entstanden, so um 1880.
Nu holt jük wisse, nu gaht dat los!     Nun haltet euch fest, nun geht es los!
Tharmanns wurnt in Felle - un Lükens klart in´n Gelle. ?

35

?

Brüggemann (Lükens)

Tharmanns wohnen im Felde - und Lükens schwimmen im Gelde.
Rennekamps Vaoder wurnt in´n Bracken un hei hult den Zeegenbock. Dä Frünslüe in Derpe mit öhre Zickens lopt jo alle Galopp. Un wat sin Junge is, dä Fritz, dat is kein Witz - nee, nee - von Sprösselholt maokt hei allen nen Flitzepee. ? Der Bracken ist das Gebiet zwischen Meitzer Straße und Apfelchaussee, ehemaligem Feldgraben und Dorf. In einer alten Karte von 1771 ist etwa gegenüber Sadlers Kuhstall ein Haus eingezeichnet. Rennekamps Vater wohnt im Bracken und er hält den Ziegenbock. Die Frauen im Dorfe mit ihren Ziegen laufen ja alle Galopp. und sein Sohn der Fritz, das ist kein Witz - nein, nein - von Weidenholz? macht er allen ein Laufrad?
Un Voltmers Ole mit dä virl´n Göse - dä maokt dän Kreuger sin Kopp sau böse. 34

33

Beate Schneider (Voltmers)

Otto Hemme (Kreugers)

Und Voltmers Alter mit den vielen Gänsen - der macht des Kreugers Kopf so böse.
Kassens Ludjen mit dä Äksen, well Möller Harnichen beheksen. 32

15

Otto Hemme (Cassens)

Joachim Sadler (Lenkens)

Cassens Ludwig mit der Axt, will Möller, Heinrich behexen.
Bösenbergs backt noch Schraoenbrot - un Waakens hät noch keine Not. 31

14

Hans-Heinrich Bütehorn (Bösenbergs)

Werner und Heinz-Werner Reichenbach (Warnken)

Bösenbergs backen noch Schrotbrot und Warnkens haben noch keine Not (es geht ihnen gut).
Mentens wurnt anne Kattenkuhl´n - un Henkens möt dä Knaoken puhl´n. 11

29

mehrere Eigentümer zwischen Hohenheider-, Mittelstraße und Kuckuckshof

?

Mentens wohnen an der Katzenkuhle? - und Henkens müssen die Knochen puhlen (ihnen scheint es nicht so gut zu gehen).
Ölschen Otto stammt vonne Laane. Mit siene Swiene maokt hei nao´n Bassen - un siene Kerchen, dat sünd siene Keuhe. Mit Waaken Vaodern aowern Thun, herre hei tau lange klönt, dao föllt hei dür´n Bodden uppe Däle, un nu ligt hei dao un stöhnt! 10

14

Siegfried und Andreas Jennert (Ülschen)

Werner und Heinz-Werner Reichenbach (Warnken)

Ülschen Otto stammt von der Leine. Mit seinen Schweinen fährt er zum "Bassen" (das ist seine mitgebrachte Mundart, in Elze sagt man Kempen zum Eber) und seine ? das sind seine Kühe. Mit Warnkens Vater auf der anderen Seite des Zaunes hat er zu lange geklönt, da fällt er vom Heuboden auf die Diele, und nun liegt er da und stöhnt!
Völkers Vaoder hat man korte Beine; doch güng dat an´t betaolen - von Völkers Vaodern könn man jedertied wat haolen. Tau Tiet leit hei dat Hus moal strieken, dä Fenstern witt un greun dä Dühren. Dä langen Dühr schöll ganz wat schön´s maol wiren. As´t fertig was bekeik hei´t sek, schür mit´n Kopp - is merklich - dat saun Kirl dat kann, un maolt dao soone Wiendrub´n ran! 9 Willi Kohne (Völkers) Völkers Vater hat ja kurze Beine; doch wenn bezahlt werden musste - von Völkers Vater konnte man immer etwas bekommen. (Die jungen Mädchen werden auf den Dorffesten manchmal knapp bei Kasse gewesen sein.) Zur Zeit lässt er das Haus mal streichen, die Fenster weiß und grün die Türen. Die große Dielentür sollte ganz besonders schön werden. Als das werk fertig war, sah er es sich an und schüttelte den Kopf - das ist ja beeindruckend, dass so ein Kerl das kann, und malt da so eine Weinrebe dran!
Schaumesters Vaoder Bruns dä liehrt den Kinnern jo dat gote "I", wennt nödich is toog hei se ok maol aowert Knie. Wenn´t Ärger gaff in dä öller Jaohre, schoof hei fief Finger mehrmaols dür dä Haaore. 38 Volkshochschulgebäude Poststraße

ehemaliges Postgebäude

Der Vater Lehrer Bruns der lehrt die Kinder ja das große "I", wenn es nötig ist zog er sie auch mal übers Knie. Wenn es Ärger gab in seinen späteren Jahren, schob er fünf Finger mehrmals durch die Haare.
Brähls Willem, dat was en Discher. O, un dä verstunt ok wat. Mit´n Hürbel stött hei alles glatt, un wenn in Derpe wer niet buet denn makt hei Fenster, Dührn un Schapp. 36 Ludwig Brüggemann (Brähls) Brähls Wilhelm, das war ein Tischler. Oh und er verstand etwas vom Handwerk, mit einem Hobel stieß er alles glatt, und wenn im Dorf einer neu baut, dann macht er Fenster, Türen und Schränke.
Un Eikmanns Ohle, owei owei - dä hat aober Knirpe. Nich virl von kürn, wie brukt jo ok nich alles te wirten. Doch bi de Spinners maokt hei virl schöne Musik, un gift nen Schottschen, einmaol rund, denn gliks in Takt mit dä Quetschkemmode düchtig mit. 37 Hilde Bombeck

(Eickmanns)

Und Eickmanns Alter, owei owei - der hat aber den Schalk im Nacken. Nicht so viel darüber reden, wir müssen ja nicht alles wissen. Aber bei den Spinnfrauen macht er viel schöne Musik und spielt einen "Schottschen" (Schottischen), einmal rund und dann gleich im Takt, spielt er mit dem Schifferklavier tüchtig mit.
Tönjes Vaoder haolt as deipe Aoten un sä: hier is dä Grund, ek säet jo glieks, wie möten maol wier griepen. 1 Wolfgang Vatheuer (Tönnies) Tönnies Vater holt tief Luft un sagte: hier ist der Grund, ich sagte es ja gleich, wir müssen ihn wieder mal erwischen. (Damit spielt er wahrscheinlich auf die Streiche von Eickmanns ALten an.)
 

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