| Der Familienname Meier ist bei uns recht häufig. Kaum
einer der zahlreichen Namensträger weiß aber, dass er eigentlich aus dem
"Lateinischen" kommt und soviel wie "der Größere"
bedeutet. Ebenso können sehr viele Zeitgenossen kaum etwas mit den beiden
anderen Bezeichnungen anfangen. Schließlich wohnen heute die
meisten Menschen in einer Stadt. Im Gegensatz zu vergangenen Zeiten als
Deutschland noch ein Bauernland gewesen ist.
Daraus ist ersichtlich, dass "der" Meier mit der ländlichen
Bevölkerung zu tun hat. Diese alte Einteilung in Hofgrößen lässt sich
an den heutigen Dörfern kaum ablesen - zu sehr haben sich in den letzten
150 Jahren die Voraussetzungen geändert. Um das zu verstehen, wollen wir
uns einmal die Einwohnerliste des Dorfes Vesbeck vornehmen. Sie stammt aus
dem Jahre 1584. Der Ort liegt nördlich von Neustadt am Rande der
Leinemarsch. Man zählte in dem Gemeinwesen damals 26 Höfe, wovon 8 als
Meier, 10 als Kötner und 8 als Brinksitzer eingestuft werden. Vereinfacht
gesagt, 8 große, 10 mittlere und 8 kleine Hofstellen. Für die Einordnung
ist zunächst einmal der Landbesitz maßgebend: Der Meier beackert 20, der
Kötner 5 und der Brinksitzer durchschnittlich nur 1 Morgen. Wichtig
scheint folgendes: Die beiden letzten Hofklassen besitzen ausschließlich
"Rodeland", die erste aber nur sogenanntes Meierland. Hierunter
ist der seit frühester Zeit zum Hof gehörende Acker zu verstehen, die
altdeutsche Hufe. Dieses "Urland" ist im Gegensatz zu den
Rodeäckern untrennbar mit dem Hof verbunden und darf auch nicht verkauft
werden.
Damit wird deutlich, dass die Meierhöfe den Kern unserer Dörfer
gebildet haben, Kötner wie Brinksitzer den Ausbaustufen zuzurechnen sind.
Erstere kommen gewöhnlich seit etwa 1250, die letzteren ab 1500 bei uns
vor. Ihre Namen sind Kote = Haus bzw. Brink, dem Rand des alten Dorfes,
hergeleitet. Der geringe Umfang des Ackerlandes wird die meisten in
Erstaunen versetzten, denn heute besitzt der Vesbecker Meier etwa zehnmal
soviel Land. Dabei wird übersehen, dass vor 500 Jahren eine ganz andere
Form der Bewirtschaftung üblich gewesen ist, die sich weniger auf den
Ackerbau und die Tierhaltung im Stall gestützt hat: Im Mittelpunkt stand
die Nutzung der riesigen gemeinschaftlichen Weide, einschließlich der als
Kuhweide und zur Schweinemast betriebenen (Eichen-) Wälder. erst vor 150
Jahren hat man begonnen, die Reste dieser seit Urzeiten üblichen
Bewirtschaftung zu beseitigen. Hierfür wird gewöhnlich der Begriff
"Gemeinheitsteilung" oder Verkoppelung gebraucht.
Mit der Weide oder "Allmende" im Zusammenhang steht der für
die einzelnen Höfe sehr wichtige Weideanteil: Der Meier darf 8, der
Kötner 2, der Brinksitzer 1 Kuh eintreiben oder vor dem Dorfhirten gehen
lassen. Ausnahmen von dieser Regel gibt es kaum, damit die Weide nicht
"übertrieben" wird.
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