Meier, Koetner...

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  • Von Meiern, Kötnern und Brinksitzern

von Hans Ehlich

Der Familienname Meier ist bei uns recht häufig. Kaum einer der zahlreichen Namensträger weiß aber, dass er eigentlich aus dem "Lateinischen" kommt und soviel wie "der Größere" bedeutet. Ebenso können sehr viele Zeitgenossen kaum etwas mit den beiden anderen  Bezeichnungen anfangen. Schließlich wohnen heute die meisten Menschen in einer Stadt. Im Gegensatz zu vergangenen Zeiten als Deutschland noch ein Bauernland gewesen ist.

Daraus ist ersichtlich, dass "der" Meier mit der ländlichen Bevölkerung zu tun hat. Diese alte Einteilung in Hofgrößen lässt sich an den heutigen Dörfern kaum ablesen - zu sehr haben sich in den letzten 150 Jahren die Voraussetzungen geändert. Um das zu verstehen, wollen wir uns einmal die Einwohnerliste des Dorfes Vesbeck vornehmen. Sie stammt aus dem Jahre 1584. Der Ort liegt nördlich von Neustadt am Rande der Leinemarsch. Man zählte in dem Gemeinwesen damals 26 Höfe, wovon 8 als Meier, 10 als Kötner und 8 als Brinksitzer eingestuft werden. Vereinfacht gesagt, 8 große, 10 mittlere und 8 kleine Hofstellen. Für die Einordnung ist zunächst einmal der Landbesitz maßgebend: Der Meier beackert 20, der Kötner 5 und der Brinksitzer durchschnittlich nur 1 Morgen. Wichtig scheint folgendes: Die beiden letzten Hofklassen besitzen ausschließlich "Rodeland", die erste aber nur sogenanntes Meierland. Hierunter ist der seit frühester Zeit zum Hof gehörende Acker zu verstehen, die altdeutsche Hufe. Dieses "Urland" ist im Gegensatz zu den Rodeäckern untrennbar mit dem Hof verbunden und darf auch nicht verkauft werden.

Damit wird deutlich, dass die Meierhöfe den Kern unserer Dörfer gebildet haben, Kötner wie Brinksitzer den Ausbaustufen zuzurechnen sind. Erstere kommen gewöhnlich seit etwa 1250, die letzteren ab 1500 bei uns vor. Ihre Namen sind Kote = Haus bzw. Brink, dem Rand des alten Dorfes, hergeleitet. Der geringe Umfang des Ackerlandes wird die meisten in Erstaunen versetzten, denn heute besitzt der Vesbecker Meier etwa zehnmal soviel Land. Dabei wird übersehen, dass vor 500 Jahren eine ganz andere Form der Bewirtschaftung üblich gewesen ist, die sich weniger auf den Ackerbau und die Tierhaltung im Stall gestützt hat: Im Mittelpunkt stand die Nutzung der riesigen gemeinschaftlichen Weide, einschließlich der als Kuhweide und zur Schweinemast betriebenen (Eichen-) Wälder. erst vor 150 Jahren hat man begonnen, die Reste dieser seit Urzeiten üblichen Bewirtschaftung zu beseitigen. Hierfür wird gewöhnlich der Begriff "Gemeinheitsteilung" oder Verkoppelung gebraucht.

Mit der Weide oder "Allmende" im Zusammenhang steht der für die einzelnen Höfe sehr wichtige Weideanteil: Der Meier darf 8, der Kötner 2, der Brinksitzer 1 Kuh eintreiben oder vor dem Dorfhirten gehen lassen. Ausnahmen von dieser Regel gibt es kaum, damit die Weide nicht "übertrieben" wird.

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