| Wedemark-Elze heute hat Herbert Rieckmann
seine letzten Schulferien beendet. Der Rektor der Grund- und
Hauptschule Elze wurde gestern 65 Jahre alt und feierte den Tag im
Familienkreis. Die Offiziellen von Schulverwaltung werden am 31.
Januar in die Schule kommen, wenn er dort um 10:30 verabschiedet
wird.
Herbert Rieckmann kam zum 01. Oktober 1938 an die Schule. Damals
unterrichteten Bernhard Schöner und er 80 Kinder. Am 1. August 1954
übernahm Rieckmann die Schulleitung, wenn er sie jetzt abgibt,
verläßt er 19 Klassen mit mehr als 500 Kindern. 23 Lehrer gehören
zum Kollegium. Auch nach seiner Pensionierung wird der jetzige
Rektor unter seinem Nachfolger noch 10 Wochenstunden unterrichten,
wenn das nötig ist.
Das alte Schulgebäude - 1895 erbaut - war bald zu klein
geworden. Deshalb wurde zehn Jahre lang ein Klubzimmer der
Gastwirtschaft Hemme angemietet. Zwei Jahrgänge unterrichtete
Rieckmann dort.
Unter seiner Leitung wurde 1957 der erste Bauabschnitt der neuen
Schule fertig. Zunächst mit vier Klassenräumen. 1965 kam der
zweite Abschnitt hinzu. Drei Klassenräume, ferner Fachräume und
eine Turnhalle waren darin untergebracht. 1971 wurde der dritte
Bauabschnitt mit vier Klassen eingeweiht. Jetzt ist die alte Schule
von Meitze noch als Nebenstelle für die drei Anfängerklassen mit
in Betrieb. Elze, Bennemühlen, Berkhof und Oegenbostel und Meitze
bilden den Einzugsbereich.
Vielfältige Spuren hat das Wirken des Rektors in Elze
hinterlassen: "Das wurde so recht deutlich bei dem letzten
Feuerwehrball. Sie waren alle mal meine Schüler. 50 Jahre alt sind
manche schon geworden, und ihre Kinder waren wieder in meiner
Schule. Wir haben bei dem Ball in alten Erinnerungen gekramt",
sagt Herbert Rieckmann.
Vor fast 30 Jahren gründete er die Turnabteilung der
Sportgemeinschaft "Blau Gelb Elze". Gleich zu Anfang kamen
70 Begeisterte. Nach einem Jahr waren es aber nur noch 20.
Inzwischen wuchs die Abteilung auf über 300 Mitglieder an, die alle
sehr rührig sind. Der Gründer gehört noch als passives Mitglied
dazu. Seit 1934, als er den Leistungsschein der DLRG erwarb, hat
Rieckmann auch Jugendliche für den Grundschein ausgebildet und in
privaten Schwimmbecken die Prüfungen abgenommen.
"Es gehörte zur Aufgabe des Schulleiters, sich um die
Chronik der Orte zu kümmern, in denen man arbeitet. Ich habe das
dicke Buch meines Amtsvorgängers um ein weiteres ergänzt."
Der Rektor blättert in dem Band, während er das erzählt. Viele
handgeschriebene Seiten voll, Zeitungsausschnitte, Fotos, und
Dokumente sind hier zusammengetragen.
Das Inhaltsverzeichnis weist vier Kapitel aus: Nachrichten über
den Schulort und die Schulgemeinde, Nachrichten über die
Schulstellen, aus dem Schuljahr und Urkunden zum Schulbau. Da kann
man zum Beispiel einen Zettel sehen, der beim Abbruch der alten
Kapelle zum Vorschein gekommen war: "Diese Seulen sind gemacht
von dem Tischlehr Wilhelm Friedrich Stahrmann in Berkhoff. Die
Tischlehrarbeit habe ich auch gemacht in der Kapele 1849 den 24.
Märtz."
Der Turm der alten Kapelle, so entnehmen wir der Chronik, war
aber viel älter. Ein uraltes Holzschloß saß an der Tür, wohl 50
Zentimeter hoch, mit der eingeschnitzten Jahreszahl 1649. Ein
riesiger handgeschmiedeter Schlüssel gehörte dazu.
Ein plattdeutscher Vers ist auch verzeichnet, der 1890 zum Bau
des Heideexpreß entstanden war. Willi und Lina Klein haben ihn noch
gewußt und Rieckmann aufsagen können: "Flink, Mudder, mak di
up de Been, Hüt willt wi na de Iserbahn. So´n Deert mot wi doch ok
mal sahn, ohn Peert und Ossen kann ick nich verstahn. Un alles
kiekt, un luert un steiht, wann dat Deert wohl kommen deit? Up
eenmal kummt et angebrust, dat jum dat Hoar to Berge sust."
Martha Rieckmann freut sich auf die kommende Zeit, wenn ihr Mann
zwar noch gelegentlich zur Schule geht, aber doch nicht mehr so
lange. "Die Verantwortung für die vielen Menschen und die
verschiedenartigen Aufgaben waren die stärksten Belastungen für
meinen Mann. Glücklicherweise ist er immer noch vital, so daß er
jetzt endlich tun kann, wozu er sein Leben lang nicht gekommen ist.
Nun werden wir endlich auch richtig Zeit füreinander haben."
So sagt Frau Rieckmann, die nicht wenig dazu beigetragen hat, daß
alles in den vielen Jahren richtig lief. |