Der Lehrer Schmieta

  • 700 Jahre von Elsenhusen bis Elze

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  • Heinrich Fr.W. Schmieta

Die Schulchronik berichtet über den Lehrer und dessen Dienst in Elze

Der frühere Lehrer H. Fr. Bruns hierselbst ist zum 1. Oktober 1888 pensioniert und lebt seitdem bei seiner an einen Hauswirt verheirateten Tochter in Thören, Parochie Winsen a/d Aller. 

Durch das Ausschreiben der königl. Regierung vom 4. Oktober 1888 war ich, Heinrich Fr.W. Schmieta, zum Lehrer in Elze ernannt. Am Montage, den 8. Okt. 88 stellte ich mich dem Kreisschulinspektor Herrn Superintendenten Schwane in Burgwedel, sowie dem Lokalschulinspektor, Herrn Pastor Billerbeck zu Brelingen, vor und begab mich danach in Begleitung meines vaters nach Elze, um mir die Stelle anzusehen und die nötigen Vorkehrungen zu meiner Überkunft nach Elze zu treffen. Nachdem meine Sachen bis Hannover per Bahn transportiert waren, wurden sie am 19. Okt. von der Schulgemeinde frei nach Elze geholt. Mit großer Dienstwilligkeit kamen mir die Herren Schulvorsteher bei meiner Übersiedelung und ersten Einrichtung entgegen. Am 22. Okt. wurde ich in Gegenwart der Schulvorsteher und einiger sonstiger Gemeindeglieder vom Lokalschulinspektor, Herrn Pastor Billerbeck, in den Schuldienst eingewiesen. Von meiner Einführung mußte vorläufig noch abgesehen werden, da meine Ernennung bei dem Herrn Kreisschulinspektor noch nicht eingetroffen war.

Die volle Kost habe ich bei der Frau Wirtin Goltermann hierselbst für 300 M.

Am 4. Dez. 1888 wurde infolge der Beeidigung von 400 M (Gesetz vom 14. Juni 1888) als Staatsbeitrag zur Aufhebung des Schulgeldes bezw. Erleichterung der Schullasten ein neuer Dienstanschlag aufgestellt und an die königliche Kirchenkommission eingereicht. Der Schulgeldsbetrag war nach dem alten Anschlage 192 M - Pf, ist aber nach dem jetzigen dreijährigen Durchschnitt 227M 20Pf. Wie mir nachher erst klar geworden ist, ist der Mehrbetrag leider nicht mir, sondern der Gemeinde zugute gerechnet - 35 M 20 Pf. So ist die Summe des neuen Anschlages derjenigen des alten gleich geblieben. Die königl. Regierung hat aber den Anschlag nicht genehmigt. In dem Anschlage vom 7. März 1889 ist der Mehrbetrag 35 M 20 Pf genehmigt.

Die öffentliche Einführung in den Kirchen- und Schuldienst ist am 2. Ostertage in der Nachmittagskirche geschehen. Die Beeidigung ging am Sonnabend vor Ostern, 20. April 1889, vor sich. Die Katechese wurde gehalten über das Evangelium vom 2. Ostertage, die Jünger von Emmaus.

Die Tätigkeit und Obliegenheiten des Lehrers in Elze als Kapellenküster

Die Thätigkeit des Kapellen Küsters ist eine zweifache bezw. dreifache: er muß läuten, d. h. die Betglocke schlagen, den Lesegottesdienst halten und die Leichen zum Orte hinaus singen. Dies letzte ist aber ein freiwilliger Dienst.

Das Läuten hier im Ort ist ein Gut, welches ehedem einem Herrn von Stechinelli gehörte. Einer aus der Reihe der Besitzer hat eine kapelle mit einem Glockenturm gebaut, beide wurden daher auch in früheren Zeiten vom Gute erhalten. Jetzt ist die Gemeinde Elze verpflichtet, für Kapelle und Turm zu sorgen. Aus der Zeit der ersten Stechinelli rührt nun das Läuten her. - Die meisten Bewohner von Elze waren dazumal mit Hand- und Spanndiensten dem Gute verpflichtet. Sobald als es läutete, mußten sie mit der Arbeit beginnen. Im Sommer geschah das schlag 6 Uhr, im Winter Schlag 8 Uhr. Das Ende der Arbeit wurde ebenfalls durch das Läuten angezeigt, im Sommer hörte man Schlag 6 auf und im Winter Schlag 4 oder 1/2 5. Mittags war eine Pause von einer Stunde, dieselbe wurde aber nicht durch Läuten bemerkbar gemacht, daher ist es auch jetzt, daß nur morgens und abends, nicht aber auch am Mittag geläutet wird. Die Bezeichnung "Betglockenschlagen" ist also in Elze nicht zutreffend. - Früher wurde der Lehrer vom Gutsherrn besonders für das pünktliche Schlagen der Glocke verantwortlich gemacht. Da jetzt die Spann- und Handdienste abgelöst sind, so hat das Läuten jetzt den Zweck, die Kinder zur Schule zu rufen. Es geschieht etwa eine Viertelstunde vor Beginn des Vormittagsunterrichts. Am Nachmittag fällt das Läuten weg. - Das "Betglockenschlagen" ist ein Läuten, es geschieht in drei "Schuren". Die ganze Geschichte geschieht in etwa 3 bis 5 Minuten. Auch am Sonntage soll morgens und abends geläutet werden!!

Eine andere Obliegenheit des Kapellenküsters ist das Halten des Lesegottesdienstes. Derselbe beginnt im Sommerhalbjahre am zweiten Pfingsttage und dauert etwa bis Michaelis. Im Winter muß man am ersten Montage nach Neujahr anfangen; diese Leseperiode währt ungefähr bis Ostern. Den Endpunkt bilden beide Male die Abendmahlsgottesdienste, die der Pastor in Brelingen um Michaelis und Ostern hier in der Kapelle abzuhalten hat. Der letzte Lesegottesdienst vor diesen Abendmahlsfeiern fällt aus. Der Lesegottesdienst beginnt im Sommer am Sonntag - Nachmittag um 2 Uhr. Um 1/2 2 und um 2 wird geläutet (vom Lehrer!). Nach dem letzten Läuten gehts sogleich in die Kapelle. Der Lehrer stellt sich dann gleich vors Lesepult und betet ein Vaterunser für sich, dann schlägt er sämtliche Bücher auf: Gesangbuch, Predigtbuch und Choralbuch. Ist so alles vorbereitet, dann singt er mit mächtiger Stimme den ersten Ton, der muß lange gehalten werden, weil die Läute alle ganz gemächlich nach einander einsetzen. Den ersten Ton einer Reihe muß man laut und kräftig einsetzen, weil sonst leider ein Umwerfen möglich ist. Wenn der Gesang beendet ist, dann folgt das Vorlesen des Textes und der Predigt, darauf ein Vater Unser, dann der Segen und zuletzt das Ausgangslied. - Es ist von je her so gewesen, daß abwechselnd die Knaben und Mädchen sämtlich kommen müssen, ferner kommen die Kinder, die vormittags zum Hauptgottesdienst in Brelingen gewesen sind.

Im Winter wird, wie schon bemerkt, in der Schule gelesen, und zwar am Montage. Die Stunde, die dann von 10 - 11 ausfallen muß, wird am Mittwoch von 11 - 12 nachgeholt. Das Läuten geschieht im Winter um 10 und 1/2 11 Uhr. Das Lesepult wird aus der Kapelle in die Schule geholt und vors Katheder gestellt. Während der Woche steht es draußen im Gange. Der Verlauf des Gottesdienstes ist genauso, als in der Kapelle. Im Winter müssen sämtliche Kinder der Ober- und Mittelstufe am Gottesdienst teilnehmen. Die Dritte, aber freiwillige Beschäftigung des Küsters ist das Hinaussingen der Leichen aus dem Orte. Sobald jemand gestorben ist, wird der Tote vorschriftsmäßig dem Küster angemeldet. Dann muß der Küster oder sein Stellvertreter läuten. Nun wird das Läuten aber zur Kunst. Es wird in drei Touren geläutet; dabei müssen aber jedesmal 3+3 "vorgeklippt" werden. Beim Vorschlagen ist nach jedem dritten Schlag eine kleine Pause. Wenn das "Vorklippen" gelingen soll, so muß man den Strang anziehen, daß also die Glocke etwas schräg hängt; alle Schläge werden an derselben Seite geklippt! Das Läuten mit dem Vorschlagen dazert etwa 20 Minuten bis zu einer halben Stunde. Bei Kindern wird auch in drei Zügen geläutet,es werden dann aber nur jedesmal 2+3 Schläge "vorgeklippt". 

Am Beerdigungstage geht der Lehrer mit den Kindern die singen sollen, ins Totenhaus. Beim Sarg wird erst ein stilles Gebet gesprochen, dann giebts zur Stärkung etliche Tassen schwarzen Kaffee. Darauf folgt die eigentliche Feier, diese gliedert sich in folgende Stücke: 1. Singen Christus der ist mein Leben p.p. 2. Bibelstück (Es kann eine Erläuterung angeschlossen werden) 3. Singen die beiden letzten Verse von: Alle Menschen m. St. (4. Aufladen des Sarges und Hinausgehen vor den Leichenwagen) 5. Das Singen vor dem Wagen. Jesus meine Zuversicht. Das Vorstehende bezieht sich auf die Feier bei erwachsenen Personen. Bei Kindern wird zuerst ein anderer passender Gesang gesungen. Die übrigen Gesänge werden im weiteren Verlaufe auch hier genommen. - Beim Aufladen geht der letzte Knabe fort, um dem Läuter Nachricht zuzubringen. Das Geläut dauert dann so lange, bis die Leiche aus dem Ort heraus ist. Das Läuten muß der Lehrer besorgen, gewöhnlich tuts der Nachbar (Kohne). Die s. g. kleinen Leute bezahlen fürs Läuten 50 Pf. Für das Singen ist die Taxe 3 M. Auch muß der Lehrer ein Personal aufstellen. Dasselbe wird im Totenhause vor dem Singen abgegeben, die Leute besorgen es dann weiter an den Prediger. 

Am 1. Oktober 1891 ist der bisherige Lehrer Heinrich Schmieta zum Lehrer an die Heiligengeist Schule in Lüneburg von hier versetzt. Er hat hier 3 Jahre gewirkt.

Bilder von der Kapelle finden Sie hier: Kapelle

Der Kapellen-Küsterdienst: Kapellenküsterdienst

 

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